English spoken

Buenos Aires (5)

Ist doch alles gar nicht so gemeint

Wenn man dem täglichen Sprachgebrauch der Einheimischen glaubt, dann ist Buenos Aires eine Großraum-WG der Söhne aller Damen des horizontalen Gewerbes. Fast jeder ist ein H…..sohn (hijo de puta), ein Scheißkerl (caracho), ein Volltrottel (boludo) und irgendwie ist alles immer ein riesiges Bordell (quilombo) als Ausdruck für ein ziemliches Chaos. Und wer jetzt glaubt hier gehe alles unverschämt, unhöflich und bitterböse zu, der irrt komplett.

Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass Frauen die Tür aufgehalten wird, dass man Senioren einen Platz im Bus anbietet und dass Schwangere an der Kasse immer Vortritt haben, egal wie lang die Schlange ist.

Der zuweilen rauhe Sprachgebrauch wird gar nicht als solcher empfunden. Wenn die Eltern als „die Alten“ (viejos) bezeichnet werden, dann ist das ebenso als liebevoller Kosename zu verstehen wie der „Volltrottel“ (boludo) und geht immer mit einem Lächeln einher.

Auch ich hatte bereits das Vergnügen sprachlich in den „inneren Kreis“ aufgenommen zu werden. Nachdem ich mit einem Freund eine „Tanguera“ besuchte hatte (eine Bar in der Tango gesungen und nicht getanzt wird) verabschiedete ich mich mit obligatorischem Wangenkuss und den Worten: „Bis zum nächsten Mal.“ Zugegeben, vielleicht typisch deutsch und die entsprechende Antwort aus Buenos Aires folgte prompt: „Ja gerne und komm gut nach Hause, Volltrottel(in).“

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