Cartagena

Cartagena – Kolumbien

Unterwegs mit Bill Clinton und Charlotte Rampling

„Guck mal, guck mal, guck mal“, rief meine neue Bettnachbarin, sobald ich die Augen aufgemacht hatte. Dank nächtlicher Klimaanlage, die jede Versuchsreihe zur Erhaltung der Antarktispinguine bestanden hätte, war es gar nicht so einfach meine verklebten Lider zu öffnen. Als ich es dann aber geschafft hatte, hielt mir meine Zimmergenossin stolz ein Handyfoto vom Vorabend entgegen auf dem sie und Bill Clinton zu sehen waren – kein Scheiß.

Dann sah sie mich völlig begeistert an und sagte: „Sag mal, weisst Du an wen Du mich erinnerst?” Meine zur Frage hochgezogenen Augenbrauen beantwortete sie mit: „Charlotte Rampling. Du erinnerst mich absolut an Charlotte Rampling.” Hmh, ich konnte den Vergleich zwar nicht wirklich nachvollziehen, aber solch hübsche Komplimente lassen den Tag gleich doppelt so gut beginnen und ein bisschen Aufmunterung konnte ich gut gebrauchen, da ich mit einer dicken Erkältung an die kolumbianische Karibikküste angereist war. Meine Sinusitis drückte mir so sehr auf Augen und Ohren, dass ich kaum was hörte und ziemlich benommen durch die Gegend watschelte. Just in diesem Moment lernte ich Elvan kennen und ich war dankbar, dass sie mir Cartagena zeigte während ich mein Hirn ausschalten konnte.

Am Nachmittag unseres ersten Rundgangs machten wir in einem Café Halt und ich schaute zufällig auf die in Flip-Flops gepackten Füße meines kolumbianischen Sitznachbarn. Elvan konnte meinen verwunderten Blick sofort deuten und sagte: „Das ist hier so üblich. Kolumbianische Männer gönnen sich gerne eine Pediküre (was ich zugegeben auch bei vielen deutschen Männern begrüßen würde) und benutzen transparenten oder leicht rosafarbenen Nagellack (was mir dann doch etwas zu viel des Guten war).“ Und in der Tat sahen auch die Fingernägel des Supermarktkassierers, der mir kurze Zeit später meine Wasserflaschen einpackte, ähnlich aufgehübscht aus.

Am Ende unserer Tour landeten wir auf der Dachterrasse eines Luxushotels, in das ich mich in meinem Vagabunden-Outfit nicht hineingewagt hätte. Elvan schon. Nach ihrem zweiten Glas Wein und einem zweiten Wodka, entschied sie offensichtlich es mir gleich zu tun und schaltete ihr Hirn ebenfalls auf Stand-By, zumindest ein wenig. Als wir anschließend nämlich das WC aufsuchten, versuchte sie vom Telefon ihrer Toilettenkabine zwei Pizzen zu bestellen.

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