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Leticia/Puerto Nariño – Kolumbien

Willkommen im Amazonas!

„Hallo Anke, schön, dass Du da bist. Der Pater erwartet Dich“, sagten die beiden Jungs, die mich am Landesteg von Puerto Nariño abholten. „Äh, Moment mal“, dachte ich. „Das Kreuz um meinen Hals ist in erster Linie ein Glücksbringer und ihr habt da vielleicht was falsch verstanden.“ Dann fiel mir allerdings ein, dass ich in der Tat ein Zimmer in der Unterkunft eines Paters angefragt hatte. Da er jedoch nicht geantwortet hatte vermutete ich, er unterliege aktuell einem Schweigegelübde und beschloss eine andere Bleibe zu suchen. Aber wo die Jungs schon mal da waren, schmiss ich meinen Rucksack in ihr Boot und wir tuckerten weiter den Amazonas weiter stromaufwärts.

Nachdem sich unsere nette Reisetruppe in Bogotá leider endgültig aufgelöst hatte, ging es für mich nach Leticia weiter, dem Tor zum Amazonas. Von dort fuhr ich mit einem Boot knapp 3 Stunden stromaufwärts bis ich den hübschen Ort Puerto Nariño erreichte, wo mich besagte Jungs erwarteten.

Beim Pater angekommen freute ich mich zunächst über eine eigene Hütte ganz für mich alleine. Nun ja, nicht ganz für mich alleine, wie sich später herausstellte, denn schließlich war ich am Rande des Urwalds und da ist es nun mal üblich, auch anderes Getier anzutreffen. Hierzu zählt bspw. eine Ameisenart, die ziemlich empfindlich reagiert, wenn man ihr zu nahe kommt.  Tja, das hätte mir mal jemand erzählen sollen, bevor ich im Dunklen meine Hand auf ein Geländer legte und dabei die unschöne Bekanntschaft mit einer dieser Ameisen machte. Meine Hand einschließlich der Finger konnte ich den ganzen Abend vergessen. Erst am nächsten Morgen schien sie wieder zu meinem Körper zu gehören. Davon abgesehen kam ich glimpflich davon.

Die größte „Gefahr“ ging von einem frauenfeindlichen Ara aus, vor dem der Pater mich bereits bei Ankunft warnte und in der Tat wurden wir keine Freunde. Um mir seinen Hass auf weibliche Wesen zu verdeutlichen, entschied er seinen neuen Lieblingsplatz unter meiner Hütte einzurichten (siehe Beweisfoto). Jedes Mal wenn ich raus oder rein wollte versuchte er mir in die Waden zu hacken. Die einzige Möglichkeit dies zu vermeiden erinnerte mich irgendwie an „Per Anhalter durch die Galaxis“: Nahezu den ganzen Tag schleppte ich ein Handtuch mit mir rum, um im Notfall zurück zu schlagen.

Alle anderen Tiere, denen ich begegnet bin, waren glücklicherweise weniger angriffslustig. Ob pinke Delfine, quirlige Affen, Taranteln oder riesige Fische – hier scheint es einfach alles und vor allem im Übermaß zu geben. Besonders angetan haben es mir die Wasserschweine, die in dieser Gegend als Haustiere gehalten werden. Sie sehen wie überdimensionale Meerschweinchen mit borstigem Fell aus und können locker die Größe eines Kleinkindes erreichen (siehe Bild).

Ach ja, die Weisheit meines Amazonas Aufenthaltes: Entweder vor Sonnenuntergang oder nach Sonnenaufgang die Duschen nutzen. In der Zwischenzeit feiert die heimsche Tierwelt in den Sanitäranlagen Party und man kann Taranteln, Skorpionen und Fröschen eine kleine Diskokugel an die Decke hängen.

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