Seekühe

Puerto Madryn – Argentinien

Unterwegs zu Pinguinen, Walen und See-Elefanten

„Immer diese Touristen“, lästerten eine französische Freundin und ich kürzlich im Scherz als wir die Reiseplanung eines englischsprachigen Pärchens belauschten. „Nehmen für 9 Stunden Busfahrt sofort ein „coche cama“ (also einen Busplatz, den man zu einem Bett umfunktionieren kann). Pöh, nur 9 Stunden! Die sitzen wir doch mittlerweile auf einer Pobacke im „Semi-Cama“ ab (also einem Busplatz, den man nur leicht kippen kann aber nicht zu einem Bett umfunktionieren kann).“

Für meinen letzten großen Trip innerhalb Argentiniens gönnte ich mir ein „coche cama“ und sogar „con servicio“. Das ist quasi wie Business-Class fliegen, nur eben auf vier Rädern, denn ein Steward serviert Abendessen und Frühstück am Platz. 18 Stunden nachdem ich in meinen Bus in Buenos Aires eingestiegen war, erreichte ich Puerto Madryn. Dort sollten mich gigantische Glattwale mit ihren nicht weniger beeindruckenden Babys erwarten, See-Elefanten, die ihre fetten Bäuche in die Sonne halten sowie zahlreiche kleine (Damen und) Herren im Frack, in der weltweit größten Brutstätte von Magellan-Pinguinen.

Am ersten Tag nach meiner Ankunft besuchte ich Punta Tombo, das zwei Stunden südlich von Puerto Madryn liegt. Hier wimmelt es nur so von watschelnden und zuweilen schnatternden Magellan-Pinguinen, die eilig zum Meer hin und zum Nest wieder zurück tippeln, um dort wartende, brütende Partner mit Futter zu versorgen. Da die Damen und Herren es gelegentlich eilig haben, schauen sie bei der Wegüberquerung weder nach rechts noch nach links. Um Unfälle mit Besuchern des Nationalparks zu vermeiden befinden sich überall Schilder, die eindeutig darauf hinweisen, wer Vorfahrt hat – der Pinguin.

Am Folgetag stand die Beobachtung von Glattwalen (auch Franca Australis genannt) auf der Halbinsel Valdés auf dem Programm. Bevor es aber soweit war, machten wir noch an einem Aussichtspunkt halt, der den Blick auf die Isla de los Pájaros freigibt (siehe Bild). Und wer jetzt sagt: „Aber die sieht doch aus wie ein Elefant der eine Schlange verdaut“, der liegt genau richtig, denn die Form dieser Insel soll Saint-Exupéry zu der entsprechenden Illustration in seinem Werk „Der kleine Prinz“ inspiriert haben. Danach fuhren wir nach Puerto Pirámides, um uns per Boot den Franca Australis zu nähern. „Franca“ wurde diese Walart übrigens deshalb genannt, weil sie in der Vergangenheit so „freimütig/offenherzig“ gegenüber Jägern war. Erstens war sie so „freundlich“ nicht abzuhauen, wenn sich Schiffe näherten und zweitens war sie zudem noch so „nett“ auf dem Meer zu treiben nachdem sie erlegt wurde, sodass Jäger sie einfach an Land bringen konnten. Da sieht man Mal, wohin Gutmütigkeit führen kann. Ich profitierte ebenfalls davon, dass diese Wale nicht menschenscheu sind und konnte es kaum glauben wie sehr sich eines dieser Tiere unserem Boot annäherte, literweise Luft in die Luft prustete, um dann wieder in die Tiefe zu verschwinden und zwar mit dem Schlag einer tonnenschweren Schwanzflosse, die vermutlich so ziemlich jedes Kleinboot zerschmettert.

Nach diesen Schwergewichten folgten weitere, wenn auch viele Tonnen leichter. Dennoch möchte ich nicht unter einem See-Elefanten liegen. Zum einen würde mich sein Gewicht binnen kürzester Zeit zu einer Flunder pressen, zum anderen würde es vermutlich Stunden dauern, ehe ich wieder unter ihm hervorkriechen könnte. Wenn man diese gemütlichen Säuger nämlich betrachtet, hat man nicht unbedingt das Gefühl, dass sie sich an Land besonders weit bewegen. Sie scheinen es vielmehr gemütlich zu lieben und verharren überall dort, wo ein Sonnenstrahl auf den Boden trifft.

> Bilder

 

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>