Recuerdos

Köln – Deutschland

Mein „Abenteuer Argentinien” ist zu Ende

Irgendwann musste es ja passieren und jetzt ist es soweit: Nach knapp einem Jahr ist mein „Abenteuer Argentinien”, das korrekterweise eigentlich mein „Abenteuer Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Kolumbien und Uruguay” heißen muss, vorbei. Warum es aber enden „musste” habe zum Schluss nicht nur ich immer mehr in Frage gestellt. Als ich kürzlich bspw. mit einem Freund ein Musikfestival in Buenos Aires besuchte und ihm eröffnete, in wenigen Wochen abzureisen, erntete ich einen völlig entgeisterten Blick. „Warum?”, und mit dieser Frage traf er genau ins Schwarze. Auch ich hatte sie mir still und heimlich bereits seit mehreren Wochen gestellt, sie aber nie wirklich beantwortet.

Ich habe in Buenos Aires Freunde gefunden, in einer sehr netten, familiären 4-er WG gelebt, Pilates-Klassen besucht, bin ausgegangen, kannte einige Viertel besser als die Porteños selbst, half verirrten Touristen den Weg zu finden…. kurzum: Ich habe in Buenos Aires ein neues Zuhause gefunden.

Allerdings erinnerte ich mich auch an mein Zuhause in Deutschland. An die lieben Menschen, die mich dort umgeben, die mich unterstützten, wenn ich mich auf Reisen mal einsam fühlte und die sich am Jahresende vermehrt bei mir meldeten, um nachzufragen wann ich zurückkehre.

Also begann ich schweren Herzen argentinische Souvenirs einzukaufen (siehe Bild oben), organisierte einen Abschiedsumtrunk, lud eine Freundin zu einem letzten gemeinsamen Abendessen ein und sitze jetzt wieder in Deutschland. So kurz und schmerzlos sich das alles anhört – es war alles andere als das. Lediglich der Gedanke, dass ich ein neues Flugticket kaufen muss, um diese Menschen binnen 17 Stunden wiederzusehen, tröstet mich.

Und sonst? Sonst gehen mir derzeit ganz viele Dinge durch den Kopf.

Ich frage mich, ob ich etwas anders gemacht hätte. Antwort: Eigentlich kaum etwas. Vielleicht hätte ich mehr Geld in schnell trocknende Funktionskleidung investiert und mehr für Spontankäufe eingeplant, beides mit dem Ziel mit weniger Gepäck zu reisen. Eine Stirnlampe hätte ich zudem oft gut gebrauchen können.

Was waren die tollsten Dinge, die ich gesehen habe bzw. die mich am meisten beeindruckt haben? Furchtbar pathetisch aber wahr: Es waren die Menschen, die ich kennengelernt habe und die mich begleitet haben. Mit ihnen hätte ich mich wahrscheinlich sogar für einen alten, trockenen Hundekuchen begeistern können, ohne sie wäre die Salzwüste in Bolivien vielleicht nur eine weiße Ebene gewesen.

Natürlich stelle ich mir auch die klassische (Selbsterfahrungs-)Frage: Was habe ich über mich gelernt? Vor meiner Abreise in Deutschland hatte ich als drohender „Workaholic” die Befürchtung, dass es mir bald zum Verhängnis werden könnte, keinen strukturierten Tagesablauf zu haben. Tatsächlich stellte ich fest, dass ein tägliches Frühstück die einzige Struktur ist, die ich benötigte. (Zu Recht) als hygienisches Penibelchen verschrien, sorgte ich mich ferner, wie ich mit mangelnder Sauberkeit umgehen könne. Dazu kann ich nur sagen: Wenn es „das schlechteste Klo Schottlands” tatsächlich gibt, dann kenne ich jeden seiner Verwandten in Argentinien, Chile, Bolivien, Kolumbien, Brasilien und Uruguay. Wir wurden Freunde, auch wenn diese Freundschaft nur wenige Minuten hielt und ich dabei durch den Mund atmete. Last but not least ist mir zum ersten Mal klar geworden, wie bewusst und ausgewogen ich mich in Deutschland ernähre. Nicht nur mein Versuch in Argentinien abgepackten, gemahlenen Bohnenkaffee OHNE Zuckerzusatz zu finden, hat mir dies vor Augen geführt.

Ob ich diese Reise nochmal machen würde? Ja! Aus vollstem Herzen jaaaaaaaaaaaaaaa.

2 Gedanken zu „Köln – Deutschland

  1. Bettina Häger-Teichmann

    Liebe Frau Greiling,

    ja, ist es denn wahr?? Wie schön, Sie sind wieder zu Hause! Oder auch eventuell nicht schön für Sie…, da Sie sicher noch ein Weilchen in Südamerika gedanklich sind…aber das ist ja auch gut so.

    Das Jahr ist verdammt schnell umgegangen und ich habe so manche Geschichte in Ihrem Blog gelesen und mich gefreut: Über die Art, wie Sie über alles berichten, Ihre Freude an den vielen Sachen, die Sie erleben, dass es Ihnen gut geht und dass Ihnen diese Reise genau das bringt / gebracht hat, was Sie gebraucht haben.

    Ich wünsche Ihnen nun eine schöne Weihnachtszeit in Köln, viel Spaß mit Ihrer Familie und Ihren Freunde, die Sie endlich wieder haben.

    Bis hoffentlich bald mal wieder

    Ihre Bettina Häger-Teichmann
    PR Office

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