Mategefäße

Mate positiv, Fernet Branca negativ oder Fernet Mate?

Welche Blutgruppe haben Sie?

Ich bin zwar erst seit knapp einem Monat in Argentinien, aber ich kann mir gut vorstellen, dass Ärzte ihren Patienten genau solche Fragen stellen, wenn sie gesundheitliche Probleme haben. Aufgrund des hohen Konsums von Mate und Fernet Branca mit Cola erscheint es mir nur konsequent, diese Getränke anstelle von Blut in argentinischen Venen anzutreffen.

Während es vermutlich keine hohe Kunst ist, ein sehr süßes Getränk (Cola) in ein recht bitteres Getränk (Fernet Branca) zu schütten, es umzurühren und anschließend ein Spanisch zu sprechen, das ich noch schwieriger verstehen kann, sieht es bei der Zubereitung von Mate ein wenig anders aus: Der „cebador“ (Teemeister,Teezubereiter oder einfach nur derjenige, der eine Runde Mate springen lässt) befüllt ein rundliches Gefäß zunächst mit „Yerba Mate“. Dieses Gefäß, das aus einer kleinen Kürbisart hergestellt wird, wird ebenfalls Mate genannt und hat die Größe einer Kokosnuss. Danach verschließt der „cebador“ das Gefäß mit der Hand und schüttelt den Mate kurz, um grobe und feine Blätter voneinander zu trennen. Anschließend wird die „bombilla“ in den Mate gesteckt. Am unteren Ende dieses metallenen Strohhalms befindet sich eine Art Teesieb im Miniaturformat, das das Einsaugen der Teeblätter beim Trinken verhindert. Wichtig ist, dass der Strohhalm an den Rand gesteckt wird, nicht in die Mitte. Anschließend wird das Gefäß mit Wasser aufgefüllt. Auch hier ist es wichtig, dass das Wasser entlang der „bombilla“, also am Gefäßrand eingefüllt wird. Warum das so sein muss, hat sich mir noch nicht ganz erschlossen.

Der erste Aufguss sollte mit kaltem Wasser erfolgen, um die Teeblätter nicht zu verbrennen. Ferner wird der erste Aufguss gewöhnlich vom „cebador“ getrunken, da er sehr stark ist und die Gäste davon verschont bleiben sollen. Die nachfolgenden Aufgüsse geschehen dann mit warmem Wasser, nicht mit heißem! Um sicher zu gehen, dass das Wasser die richtige Temperatur hat, haben die örtlichen Heißwasserkocher eine entsprechende Einstellungsmöglichkeit. Nachdem der erste Gast den Mate leer getrunken hat, was aufgrund der Gefäßgröße bereits nach wenigen Schlucken der Fall ist, füllt der „cebador“ das Gefäß erneut mit warmem Wasser und reicht es an den nächsten weiter. Zudem wechselt er den Mate, sobald der Aufguss ausdünnt.

Um den Tee immer und überall genießen zu können, tragen Matetrinker eine Thermoskanne mit sich herum, oftmals in eigens dafür vorgesehene Lederumhängetaschen: Auf der einen Seite hat darin die Thermoskanne Platz, auf der anderen das benötigte Zubehör. Zudem ist es üblich, sich in Restaurants kostenfrei warmes Wasser für seine Thermoskanne zubereiten zu lassen. Einige Restaurants verlangen hingegen eine eher symbolische Gebühr von 2 Pesos, was derzeit ca. 0,22 EUR entspricht.

Das Design der Mategefäße und der „bombillas“ ist schier endlos. Neben traditionellen Kürbisgefäßen gibt es auch Gefäße aus Plastik, mal unifarben, mal schreiend neonfarben mit wilden Mustern sowie kunstvoll verzierte „bombillas“ und einfachere Ausgaben. Lediglich die Größe und die Funktionsweise scheinen gleich zu sein. Ebenso verhält es sich mit den zerkleinerten Teeblättern, die es in unterschiedlichen Stärken gibt.

Matetrinker loben den Energieschub des Getränks zum besonders günstigen Preis. Darüber hinaus wird ihm eine wassertreibende und hungerhemmende Wirkung nachgesagt. Mir fiel vor allem der soziale Aspekt des Miteinanders auf. Alleine wird in der Regel kein Mate getrunken. Der Geschmack erinnert mich übrigens an Brennesseltee oder an einen sehr bitteren Kräutertee. Mit dem hippen „Club Mate“ hat der Tee, wenn überhaupt, nur die leicht aufputschende Wirkung gemein.

So kompliziert wie sich das alles vielleicht anhört, so harmlos und simpel ist das Mate-Trinken im Alltag. Im Grunde ist es nichts anderes, als gemeinsam eine Colaflasche kreisen zu lassen.