Santiago de Chile

Auf nach Santiago de Chile

Feiertagsflucht

Seit zwei Wochen bin ich nun in La Consulta , wo ich eine Reiseagentur unterstützen darf und nebenbei mein Spanisch aufpolieren kann. La Consulta liegt ca. 100 km südlich von Mendoza, im Weingebiet des Valle de Uco und bietet eine hübsche Aussicht auf die Ausläufer der Anden.  Vor allem ist La Consulta aber eins: ruhig und zwar sehr ruhig! Die Aussicht auf noch mehr Ruhe als ich üblicherweise verkraften kann (bedingt durch Feiertage am Montag und Dienstag) sowie unglaublich wechselhaftes Wetter, das sich über jede meteorologische Vorhersage lustig zu machen schien, ließen mich meinen Rucksack in Überschallgeschwindigkeit packen und zum Busbahnhof flitzen, um eine Fahrkarte nach Santiago de Chile zu kaufen.

Als der Verkäufer mich nach dem gewünschten Sitzplatz fragte, entfielen mir spontan leider alle Vokabeln die beschreiben, dass ich unbedingt einen vorderen Sitzplatz brauche, da ich sonst reisekrank werde. Nach ein wenig hin und her, fiel mir nur das unschöne Wort für “kotzen” ein. Ich nuschelte es also leise auf Spanisch vor mich hin und sah den Verkäufer dabei mitleidsvoll an. Glücklicherweise nahm er es nicht persönlich, sondern buchte mir in der Tat einen der vorderen Plätze auf der oberen Etage des Busses.

Bei der Abfahrt in La Consulta schüttete es wie aus Kübeln. Als der Bus immer höher die Anden hinaufkroch ging der Regen irgendwann in Schnee über. Da ich eingeschlafen war, bemerkte ich es zunächst jedoch nicht.  Plötzlich wurde ich von einem lauten “Plöpp” geweckt. Ich schaute mich um und stellte fest, dass meinen Mitreisenden zunächst mich ansahen, die weihnachtlich eingeschneit wurde und danach die Decke, in der ein kleines Loch klaffte. Die Dachluke war weg. Als ich fragte wer sie geöffnet hat, zuckte ein Mitreisender die Schultern und meinte: “Niemand. Die ist weggeflogen”. Wenige Minuten später stieg der zweite Busfahrer zu uns hinauf und stellte eine ähnliche Frage: “Wo ist denn die Dachluke?” Antwort des gleichen Mitreisenden: “Ca. 10 Kilometer hinter uns.”

Drei Stunden nach der Abfahrt erreichten wir den Grenzübergang nach Chile und damit endlose Warteschlangen an der Zollabfertigung. An jeder erdenklichen Ecke wurde darauf hingewiesen, dass die Einfuhr von Obst, Gemüse und tierischen Erzeugnissen nach Chile nicht erlaubt ist und dass ein Verstoß mit einem Bußgeld belegt wird. Bevor das Gepäck aller Reisenden per Hand dahingehend untersucht wird, hat jeder die Chance seine letzten Weintrauben zu entsorgen. Dennoch zogen die Grenzbeamten so viel Obst aus einigen Gepäckstücken, dass man daraus den Kopfschmuck einer ganzen Sambatruppe hätte basteln können.  Ein Chilene neben mir seufzte und murmelte: “Immer wieder das gleiche.” Das Ergebnis war, dass sich die ganze Filzerei auf stolze 4 Stunden in die Länge zog. Meine Sitznachbarin nahm’s gelassen und meinte, sie hätte es schon mal auf 7 Stunden gebracht.

Und nun bin ich hier und ich muss sagen, es hat sich gelohnt! Spätestens beim Betreten der U-Bahn von Santiago blühte mein Großstadtherz auf und allein dafür hätte ich mich rückblickend sogar noch länger einschneien lassen. Das gilt erst recht für Valparaiso, eine Stadt die 2 Stunden von Santiago entfernt am Meer liegt und die mich mit ihren bunt zusammengewürfelten Häuschen begeistert hat.

Mit Argentinien zu vergleichen ist beides hingegen nicht: Statt Mate gibt’s hier Cola, Busse fahren pünktlich ab, WLAN läuft auf Hochtouren, Autofahrer deuten Zebrastreifen nicht als naive (Straßen-) Malerei und es gibt keinerlei Herausforderungen, die ich mit buddhistischer Geduld meistern müsste.  Dauerhaft würde ich hier wohl die argentinische “Wildheit” vermissen…..

Nachtrag: Bin bei der Fahrt nach Chile übrigens durch Tibet gefahren, zumindest wenn man dem Film “7 Jahre Tibet” glaubt.  Die argentinische Grenzstadt “Uspallata” war die Kulisse der heiligen Stadt Lhasa.

> Bilder Santiago de Chile

> Bilder Valparaiso

 

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